TRÖSTEN: der Umgang mit Emotionen

TRÖSTEN: der Umgang mit Emotionen

Jeder kennt es, das Kind fällt hin, es gibt einen Streit im Standkasten oder im Kinderzimmer klappt nichts wie es soll. Das Kind beginnt zu weinen, schreien oder resigniert.

Eltern sollten ihr Kind immer trösten sonst sind sie Rabeneltern?

Wenn man Kinder immer tröstet verweichlichen sie!

Stell dich nicht so an!

Nix passiert!

Wer kennt sie nicht diese Aussagen anderer Eltern, aus der eigenen Familie oder auch dem Freundeskreis. Vermeidliche „Experten“ geben viele Tips wie man Kinder am Besten tröstet und wann dies gar nicht geht. Im Folgenden erkläre ich warum es sinnvoll ist wann und wie Kinder zu trösten bzw. ihnen zu Helfen mit ihren Gefühlen umzugehen und diese zu regulieren. Nur wer versteht kann nachhaltig Erziehen und eine authentische Erziehungshaltung einnehmen, die dem Kind Sicherheit gibt. Viel Spaß beim Lesen.

Zunächst möchte ich Dich dazu einladen einmal über deine eignen Erinnerungen nachzudenken die Du in deiner Kindheit einmal im Bezug auf Misserfolge hattest und wie in einem Elternhaus damit umgegangen wurde.
Fällt Dir etwas dazu ein? Hat sich dies im Laufe der Jahre geändert wie mit Emotionen der einzelnen Familienmitglieder umgegangen wurde? (Sofern Du hier bemerkst, dass sich hier eine Schwere in deinem Brustkorb oder deinem Magen ausbreitet und Du bemerkst hier schlummert sein Thema das bearbeitet werden sollte, kannst Du mich gerne kontaktieren. Wir können gemeinsam dieses Thema bearbeiten und ganz bewusst darauf schauen, was Dich heute noch begleitet und wie Du die Schwere ablegen kannst und wieder Leichtigkeit in deinen Körper einkehrt.)

Fokus und Perspektive

Meistens verstehen Kinder zunächst den Zusammenhang und die Gründe negativer Gefühle. Dies liegt vor allem daran, dass Kindern oft gesagt wird, was sie nicht machen sollen, was falsch ist und was man nicht darf. In der Erziehung liegt oftmals ein Fokus auf dem Negativen und bestimmte Verhaltensweisen zu ändern. Wenn wir uns diesem bewusst sind, können wir dies umwandeln. Indem wir den Fokus auf das lenken, was das Kind kann und bereits gut macht. Wir können zudem anstatt zu nur zu verbieten oder zu korrigieren Handlungsalternativen aufzeigen. Doch wer beurteilt eigentlich was gut ist und wichtig? Ich möchte Dich hier nochmal mitnehmen auf eine gedankliche Zeitreise. Erinnerst Du dich an deine Zeit als Teenager? Dir werden sicherlich die ein oder anderen Gedanken durch den Kopf schießen. Vielleicht ist einer davon auch die hier gehäuft vorkommenden Konflikte mit den Eltern oder die erste große Liebe.
Die Probleme, die man als Teenie hat sind oftmals die größten dieser Welt und man hat das Gefühl das manchmal wirklich alle gegen einen sind. Im Nachhinein betrachtet sind dies vergleichsweise kleine Problemchen zu dem was das Erwachsenenleben (Beruf, Partnerschaft, Familiengründung etc.) noch so für uns bereitgehalten hat und bereit hält.

Warum dies für das Thema Trösten wichtig ist? Der Perspektivwechsel spielt hier eine große Rolle. Kinder wissen noch nicht, was das Leben für sie bereit hält und wie sie mit Herausforderungen und Misserfolgen umgehen können.

Die Basis einer jeden Beziehung sollte Raum geben für einen toleranten und offenen Umgang mit Emotionen.

Das Kind ernst nehmen. Wenn das Kind stürzt, einen Streit hat oder eine Niederlage erlebt ist es wichtig diese einfühlsam zu erfassen und sprachlich passend zu bestätigen. Wenn Empfindungen ignoriert oder unbeachtet bleiben behindert dies das Kind in der Entwicklung von Emotionaler Kompetenz. Das Kind reagiert mit der intensiven Suche nach Zärtlichkeit, Wut oder Ärger. Wird dies nicht aufgenommen, hat das Kind keine Chance das Empfundene einzuordnen und lernt keine adäquate Umwandlung in Worte/Veräußerung. Man spricht hier auch von „Erlebnisraub“. Doch Achtung: gegenteilig bedeutet dies auch, dass wenn Gefühle die zweitrangig sind immer aufgegriffen und fokussiert werden verschiebt sich die Empfindungsrealität beim Kind.
Wir haben teilweise auch das Gefühl, das Kind spielt uns etwas vor oder dramatisiert in verschieden Situationen, wohingegen bei für uns schlimmeren Situationen das Kind relativ gelassen reagiert.

Wann und wie reagieren?

Um dies zu verstehen und besser einordnen zu können gehe ich auf die Entwicklung in jeder einzelnen Altersstufen des Kindes ein.

Säuglinge sind noch nicht in der Lage zu Manipulieren. Das Gehirn zeigt eine direkte Reaktion auf einen emotionalen Reiz. Beispiel: Es ist keine Bezugsperson da, das Kind fühlt sich einsam, wird unsicher oder weint sogar.

Ab dem ersten Lebensjahr haben die Kinder bereits die Fähigkeit erworben emotionale Äußerungen zu übertreiben. Beispiel: übertriebenes Lachen oder Schreien.

Mit dem dritten Lebensjahr können Kinder ihren emotionalen Ausdruck abschwächen. Beispiel: Das Kind freut sich darüber das sie gemeinsam Kuchen backen wollen, zeigt dies aber nicht, weil es noch beleidigt ist, weil das Kind kein TV schauen darf. Ebenso können Kinder ab jetzt ihre Gesichtsmuskulatur kontrollieren, sie unterscheiden erstmals zwischen Emotionalem Ausdrücken und Emotionalen Erleben was sie dazu befähigt dies von nun auch strategisch ein zusetzten. Bespiel: Wir freuen uns eigentlich nicht jemand zu sehen, grüßen aber trotzdem weil dies für uns Erwachsene Höflichkeit symbolisiert.

Im Schulalter gelingt es den Kindern ihre Verhaltensweisen zu kontrollieren dies wird besonders bei dem zeigen von Emotionen gegenüber Gleichaltrigen und gegenüber den Eltern oder wenn die Kinder alleine sind hier ist der Ausdruck oftmals viel stärker.
Bei den 4-10 jährigen Mädchen konnte beobachtet werden, dass diese im wirkungsvollen maskieren von Emotionen geschickt sind, bei Jungs hingehen konnte dies nicht beobachtet werden.

Nun wissen wir ab wann Kinder ihre Emotionen ausdrücken und steuern können, dies hilft uns dabei einzuordnen wie wir auf welche Emotionalen Äußerungen des Kindes reagieren können.

Strategien der Kinder

Doch wie helfen wir den Kindern nun dabei ihre Emotionen zu regulieren. Dies geschieht einerseits durch Strategien die das Kind selbst erwirkt, aber auch durch Eltern und das Umfeld.

Erstmals sichtbar wird dies bei Säuglingen die zur Regulation der Reizstärke sich beruhigen indem sie an den Händen/Finger oder am Schnuller saugen. Ebenso können Säuglinge dies durch bewusstes zu- und abwenden des Blicks steuern.

Bei Kleinkindern sieht man besonders deutlich wenn belastende Informationen auf das Kind treffen, dann schließen sie die Augen oder halten sich die Ohren zu. Jetzt tritt auch die Phase ein, in der ein Kind handfeste Strategien entwickelt um das Erlebte zu verarbeiten. Die kann in From von treten gegen Gegenstände, sich dem Schönen zuwenden oder zurückziehen stattfinden, dies wird von Erwachsenen gerne als „davon ablenken“ bezeichnet.
Bei sehr schwerwiegenden Erfahrungen kann es auch vorkommen, das das Kind Selbstgespräche führt. Ebenso kann es vorkommend, das das Kind beginnt sich selbst zu verletzten um sich zu regulieren.

Sprache spielt auch hier für die Regulation, den Umgang mit den Gefühlen und Erfahrungen, eine wichtige Rolle. Kinder sagen hier beispielsweise:“ Ich wollte den Roller sowieso nicht haben.“ Oder „Das macht mir gar nichts aus.“ dies sagen Kinder vor allem um sich selbst zu beruhigen.

Nun sind auf Dich viele Informationen eingeprasselt. Was unser Ziel als Erziehende sein sollte und wie wir Kinder helfen können Strategien im Umgang mit ihren Emotionen zu finden: Erziehung zur emotionalen Kompetenz.

Kinder lernen am Modell. Du bist in deinem Handeln ein Vorbild für dein Kind und in allem was du Tust. Zeig wie es geht und mache es vor. Und gang wichtig: mit deinem Kind darüber zu Sprechen! Wann empfinden wir welche Gefühle, Empfindungen (kinngerecht) ausdrücken und auch wie man Gefühle bei sich und anderen beeinflussen kann. Ich kann einem Kind seine Traurigkeit erleichtern wenn ich es tröste oder es streichle. Genauso kann ich Alternativen aufzeigen und zeigen das es mir auch einmal so ging und was ich dagegen gemacht habe.
So entsteht beim Kind ein Emotionswissen, das es für die Regulation seiner eigenen Gefühle nutzen kann. Nur wenn wir unseren Kindern helfen Gefühle zu verstehen kann des diese regulieren.

Hört auf Euer Herz, versucht zu verstehen warum es eurem Kind grade so geht und sprecht! gemeinsam darüber, nur so hat das Kind eine Chance zu verstehen und kann lernen auf einem guten Weg damit umzugehen. Ich möchte zum Schluss möchte noch darauf hinweisen, das jedes Kind einzigartig ist und es natürlich auch Kinder gibt die mehr Zuspruch, Zuneigung und Hilfe zu Regulation brauchen als andere Kinder. Was jedoch jedes Kind braucht ist eine tolerante, offene und liebe volle Erziehung.
Wenn du Dir noch unsicher bist wie Du reagieren kannst oder du hast in deinem Alltag bestimmte Situationen mit deinem Kind die dich in deinem Handeln verunsichern, du bist Dir unsicher ob dein Kind Verhaltensauffälligkeiten zeigt, kontaktiere mich für eine Beratung. Themen können auch die gemeinsame Erziehungshaltung in der Partnerschaft sein, auch hier berate ich Euch gerne dabei gemeinsam an einem Strang zu ziehen.

Quellen: Haug-Schnabel, G., Bensel, J. (2010) Grundladen der Entwicklungspsychologie (9. Aufl.) Freiburg in Breisgau, Deutschland

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